Vom Gesellschaftsbecken zur Guppyhochzucht...
...sicherlich ein häufiger Werdegang. Mein erster Kontakt mit Guppys fand in den frühen 70er Jahren statt, als ich staunend den bunten Fischen mit den großen Flossen im väterlichen Südamerikabecken mit Bewunderung zusah (die Altum-Skalare waren natürlich damals im 240 l Becken mit Stahlrahmen und laut blubbernder Pumpe die "Stars"). Wie der Vater so der Sohn.....die Aquaristik in die Wiege gelegt, bekam ich mit 7 Jahren mein erstes eigenes Aquarium besetzt mit den obligatorischen 2 Goldfischen. Sehr zur Verwunderung meiner Eltern war dies mehr als ein "Spleen" und so wunderte es sie nicht, dass ich mit etwa 12 Jahren mit der Haltung und Zucht von Buntbarschen begann. Eine Passion, die gegen Mitte der 80er Jahre dem Auspuffqualm von Mopeds und sonstigen pupertätsbedingten Gepflogenheiten weichen musste. Eine Abstinenz auf Zeit die, natürlich stets latent im Hinterkopf vorhanden, bis in den Beginn des neuen Jahrtausends anhielt. Dann der endgültige Rückfall; ein 240 l - Becken als krönender Abschluss, Belohnung (...oder was sonst auch immer) zum Kauf des Eigenheims waren der Grundstein in den längst fälligen Wiedereinstieg.


"Damals und Heute" - Weihnachten 1969 vor Papas Becken, rechts mein (übrigens guppyfreies) Südamerikabecken
Mein Zuchtziel lehnt sich an den internationalen Standards an. Ganz besonders achte ich bei der Auswahl der Zuchttiere jedoch auf die Vitalität der Fische. Riesentriangel die auf Grund der übergrößen Schwanzflosse 2/3 ihres Daseins schräg im Becken "dämmern" haben bei mir ebenso wenig eine Chance wie kanibalistische Weibchen. Sie sehen; ein absolut individuelles Hobby bei denen jeder seine eigenen Prioritäten setzen sollte; doch bitte niemals vergessen, dass es sich bei der Hauptsache unserer Leidenschaft um lebende Kreaturen handelt, die es verdienen artgerecht behandelt zu werden.
Ebenso respektvoll behandele ich auch die Tiere die eben mal nicht dem jeweiligen Zuchtziel entsprechen. Töten von Fischen oder überzähligen Weibchen kommt bei mir ebenso wenig in Frage wie das Verfüttern augenscheinlich gesunder Tiere.
Ich gebe diese Tiere auch an Zoohändler ab. Der dort kaufende Kunde achtet nicht auf Hochzuchtmerkmale und erfreut sich auch an meinen "Fehlfarben".

Diese moskau-blaue Schönheit findet garantiert einen Abnehmer ! Deutlich kann man erkennen, dass dieses Tier ebenfalls die Moskauer Merkmale trägt; das verspricht äußerst dunkle Blautöne in der nächsten Generation.
Für die Abgabe weiblicher Tiere an Zoofachhändler empfehle ich die Fische möglichst groß abzugeben; dies ist erfahrungsgemäß beim dort kaufenden Klientel ein ganz entscheidendes Argument. Bei der Auswahl meiner Stämme schaue ich auch immer ein wenig auf die Attraktivität der "Mädels" im Hinblick auf gute Vermarktungsmöglichkeiten.
Wenn Sie sich eine Weile mit Guppys beschäftigen, werden Sie feststellen, dass aus ganz unterschiedlichen Motivationen gezüchtet wird. Da sind zu einem die "Genetiker" die gezielt und fast wissenschaftlich arbeiten. Ich finde es beeindruckend, welches Wissen hier einzelne (teilweise Personen mit völlig anderen Ausbildungen) auf sich vereinen und mit welcher Professionalität an Testkreuzungen, Experimenten und genetischen Versuchen gearbeitet wird.
Die meisten Züchter jedoch beschäftigen sich mit "fertigem", meist schon erbfesten Material, welches sie permanent versuchen zu verbessern. Das alleinige Vorhandensein dieser Extreme ist jedoch eher selten; so kommt auch ein Züchter oder gar Anfänger bei Übernahme eines "fertigen" Stammes nicht ohne gewisse Grundlagen der Genetik aus.
Das Züchten und Pflegen und das Beschäftigen mit der Aquaristik im allgemeinen bedeutet für mich Entspannung und Ausgleich vom stressigen Alltag. Ich möchte mich mit dieser wunderbaren Beschäftigung in keinster Weise irgendwelchen Zwängen unterziehen und so nehme ich nur unregelmäßig an Wettbewerben teil ohne zu leugnen, dass die Teilnahme an solchen Veranstaltungen einen ganz besonderen Reiz darstellen. Meine erster Gewinn einer Ausstellung (GKR 2008) und die "Verteidigung" dieses Titels ein Jahr später werden mir unvergessene Erlebnisse bleiben. Nur im direkten Vergleich mit anderen Züchtern unter in Augenscheinnahme eines Richtergremiums lässt echte Rückschlüsse auf die züchterischen Fortschritte zu !